Tripiti Schlucht – Ausflug – Teil #1 – Der kleine Laden in Vasiliki

Auch nach über zwanzig Jahren gibt es auf Kreta für uns noch Ziele, die wir bisher nicht angesteuert haben.

Eines davon ist der abgelegene Tripiti-Strand an der Südküste in der Gegend um den kleinen Küstenort Lentas.

Von unserem Standort Agios Nikolaos sind es rund 120 Kilimeter bis hierher und die ersten 80 Kilometer über die Schnellstrasse haben wir schnell bewältigt.

Ab Charakas wollen wir dann aber gemütlich durch die Dörfer touren. Vom Dorf Pretoria führt eine langgezogene Allee mit altem hohen Baumbestand mehrere Kilometer schnurgerade bis zum Ortseingang von Charakas.

Pretoria01

In einem der nächsten Dörfer wollen wir noch ein wenig Wegzehrung kaufen – ein Tyropita oder Lukanikopita (frisch gebackene Teigtaschen mit Käse oder Wurst) aber in den meisten kleinen Dörfern gibt es kaum noch einen Bäcker oder Konditor.

Im Dorf Sternes finden wir zumindest ein einfaches Kafeneio an der Strasse, wo ein paar Sternes100 Bauern gerade ihre Kaffeepause bei einem Plausch abhalten. Hier bekommen wir doch tatsächlich einen super guten Cappucino serviert.

Leider hat der Besitzer auch nur ein paar ziemlich trocken aussehende Sandwiches im Angebot, weshalb wir weiter suchen.

Im grössten Ort Vagionia gibt es zumindest einen Supermarkt und einen Bäcker. Die Bäckersfrau teilt uns freundlich mit, daß sie leider während der Schulferien keine frischen Pites anbietet. Scheinbar sind es vornehmlich die Schulkinder, die sich diese Art von Pausenbrot einverleiben.

Nun ja – wir sind ja nicht ganz ohne Verpflegung losgefahren und an unserem geplanten Ziel gibt es sicher eine Taverne, damit wir nicht verhungern müssen.

Als wir durch Vasiliki kommen – das letzte kleine Dorf bevor die Strecke erst einmal in die wilden Berge führt – fällt uns auf, daß unser mitgeführter Zigarettenvorrat sehr begrenzt ist. Und es gibt nichts Schlimmeres für einen Raucher, keine Reserve mit sich zu führen.

Aber in Vasiliki scheint es überhaupt kein Geschäft mehr zu geben. Wir fragen drei spielende Jungen im Dorf, ob hier irgendetwas wie ein Periptero existiert und die Jungs fahren enthusiastisch mit dem Fahrrad vor uns her, um uns zu dem einzigen Laden im Dorf zu führen.

Vasiliki300

Ein altes unscheinbares Haus  am Dorfplatz ohne Reklame und ohne Fenster entpuppt sich hinter der Eingangstüre als Pantopolieo (Ein Viel-bis-Alles-Laden).

Vasiliki_Supermarkt301

Später wird uns auch bewusst, warum der kleine und einzige Laden nicht entsprechend gekennzeichnet ist: Die Bewohner des Dorfes wissen schliesslich, wo sie ihre Lebensmittel einkaufen und Fremde sind in diesem Dorf ohnehin zu selten – warum also noch Geld für Werbung ausgeben ? – Auch in anderen einsamen Dörfern haben wir schon solch völlig versteckte Lädchen gefunden.

Jetzt stehen wir jedenfalls in diesem kleinen Kramladen, der bis zur Decke mit einfachen alten Holzregalen ausgestattet ist, in denen sich wenig verderbliche Lebensmittel wie Kaffee, Dosenmilch, Fischkonserven und andere Notwendigkeiten stapeln. Natürlich darf auch eine alte gusseiserne Waage nicht fehlen, die auf der Ladentheke steht. Lediglich die mittlerweile vom Gesetzgeber vorgeschriebene elektronische Registrierkasse weist darauf hin, daß wir uns im 21. Jahrhundert befinden.

Bei dem freundlichen älteren Betreiber-Paar und kaufen erst einmal Zigaretten und natürlich dürfen sich die drei hilfsbereiten Jungen auf unsere Kosten noch jeder eine Süßigkeit aussuchen.

VasilikiNikos84301

Der 84 Jahre alte Niko erzählt uns, daß er und seine Frau den Laden seit mittlerweile 55 Jahren betreiben. Nach einem kurzen Plausch dürfen wir von den beiden noch ein Foto schiessen und als wir dann wieder im Auto sitzen, freuen wir uns über diese nette Begegnung mit den Dörflern auf Kreta.

Nach wenigen Minuten haben wir das Dorf verlassen und biegen an zwei windschiefen Hinweisschildern in kahler Einöde auf die staubige Piste in Richtung Tripiti-Schlucht ab.

Tripiti202

6 Kommentare zu „Tripiti Schlucht – Ausflug – Teil #1 – Der kleine Laden in Vasiliki

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  1. Würde so gerne wissen wie es weiter ging! Überlege gerade die Tour zu machen. Haben aber nur einen Fiat Panda und sind gerade in Soughia… Freue mich über eine Antwort.
    Liebe Grüße Sabine

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  2. Hallo PeKo, Tripiti ist einer meiner Lieblingsplätze auf Kreta. Auf ungefähr halber Strecke liegt eine etwas vesteckte Taverne rechts in einem kleinem Wäldchen, mit 2-3 Gästezimmern. Hier lege ich dann immer eine Pause ein. Alles mögliche Kleingetier läuft hier rum und landet auch schonmal abends auf dem Grill. Ein sehr lauschiges Plätzchen.
    Und oberhalb an der Schlucht lassen sich oft die Geier beobachten, die ihre Kreise ziehen.
    Dein Video hab ich mir gerade angesehen und ich bekomme wieder fernweh…
    VG
    Belgofritz

    Gefällt 1 Person

  3. …das Dorf heißt Vasiliki und nicht Vasilika. Es gibt Richtung Plora ein Dorf, welches Vasilika Anogia heißt.
    Der Laden, welchen Sie beschreiben, ist nicht der einzige im Dorf.
    Ich habe in Vasiliki seit 2001 ein altes Steinhaus und bin immer noch die einzige „Xeni“ im Dorf…und möchte auch, dass es noch lange so bleibt.
    Ich kann – seit es die Möglichkeit gibt Berichte ins Netz zu stellen – die Menschen nicht verstehen, was sie dazu bewegt, solche Berichte ins Netz zu stellen.

    Liane Gruber

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    1. Vielen Dank für den Hinweis, Frau Gruber. Ich habe den Namen gleich korrigiert, nachdem ich mich auf der Karte vergewissert habe, daß ich die beiden Ort vertauscht habe. Ich glaube aber, sie brauchen keine Angst zu haben, daß der Tourismus Ihr Dorf überrennt. Aber weder Sie noch ich können den Zug der Zeit aufhalten. Sie können davon ausgehen, dass der allergrösste Teil derer die solche Reiseberichte lesen, sich nicht auf den dorthin Weg machen wird. Solche und ähnliche Berichte gab es auch schon vor der Internetzeit übrigens in sogenannten Büchern zu lesen. Wie Millionen andere lese ich selbst gerne Berichte aus der ganzen Welt und reise trotzdem nicht dorthin.- Von den wenigen Individual-Urlaubern, die sich schon seit Jahren auf den Weg durch die Tripiti-Schlucht zum Strand machen, wird Vasiliki wohl auch weiterhin kaum etwas mitbekommen. – Und letztendlich haben weder Sie noch ich oder sonstwer einen berechtigten Anspruch, der Einzige Fremde im Dorf zu sein. Wenn also noch mal jemand Fremdes durch Ihr Dorf kommt, der nicht vorher darüber etwas im Internet geslesen hat, geben Sie mir bitte nicht die Schuld !

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