Mit dem Auto nach Kreta

Mit dem eigenen Auto von Deutschland bis Kreta zu reisen, ist für die wenigsten Urlauber interessant, weil alleine Hin- und Rückfahrt fast eine Woche Zeit in Anspruch nehmen und dann wäre die Hälfte oder ein Drittel der Ferien schon um.

Anfang der 1990er Jahre haben wir über die Sommermonate noch in Griechenland gewohnt und gearbeitet und da war es natürlich sinnvoll, mit dem eigenen Auto zu fahren um über die ganze Dauer auch vor Ort mobil zu sein.

1991 – im allerersten Jahr unseres Griechenland-Lebens war ich mit einem alten Ford Transit , voll gepackt mit Möbeln bis nach Katerini in Nordgriechenland durch das damalige Jugoslawien  gefahren – wenige Wochen, bevor dort der schreckliche Krieg begann. – Diese Reise-Odyssee werde ich beizeiten in einem anderen Posting veröffentlichen.

1992 hatten wir uns dann einen gebrauchten kleinen Suzuki-LJ80 Geländewagen gekauft, weil wir in den sonnigen Sommermonaten auch den Wind und die Sonne spüren wollten. Ausserdem lieben wir es, auf unbefestigten Feldwegen die einsamen Strände zu suchen, die sonst nur wenigen Einheimischen bekannt sind.

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1993 Mit dem Suzuki LJ80 kam man überall hin

Ein Freund von uns besass damals eine Kiwi-Plantage am Küstenstreifen zwischen Katerinoskala und Litochoro, wo das Meer auf kilometerlange wilde Sandstrände traf und die konnte man nur mit einem Allrad-Fahrzeug erreichen.

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1992 Am Strand bei Korinos / Nordgriechenland

So hatten wir in der spartanischen kleinen und randvollgepackten Klapperkiste erst eine Strecke von 1.300 Kilometern bis zum Hafen von Ancona in Italien zu bewältigen – dann erholten wir uns bei 24 Stunden Schiffsreise bis Igoumenitsa, um von dort die rund 400 Kilometer bis Katerini zu bewältigen – damals noch 1690 Meter hinauf über den Katarapasses, denn eine Autobahn gab es damals noch nicht.

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1993 Warten auf die Einschiffung im Hafen von Ancona

In einem vollgepackten Auto mit nur 800 ccm und 39 PS/28,5 kw war das eine zähe Angelegenheit.

Und doch waren die Reisen mit dem kleinen Elliot, wie wir unser Auto nach seiner Modellbezeichnung LJ80 genannt hatten, die spannendsten, schönsten und romantischsten in unserem Leben. – Wir waren jung, hatten wenig Geld und wir bekamen noch keine Rückenschmerzen vom langen Sitzen.

Als wir dann 1995 für die Sommerzeit nach Kreta übergesiedelt waren, wurde die Reise noch etwas zeitaufwendiger, denn die erste Fähre von Ancona legte nach 24 Stunden in Patras an, von dort sind noch knapp 200 Strassenkilometer bis in den Hafen von Piräus zu absolvieren, bevor man mit einer weiteren Fähre noch einmal rund acht Stunden bis Heraklion unterwegs ist.

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Mit dem Elliot bei einem Ausflug nach Agia Galini

Für die Statistiker unter unseren Lesern: Im Laufe der Jahre haben wir auf diesem Wege über siebzig Fährpassagen genossen und somit über 50 Tage auf dem Schiff verbracht .

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Unsere kleine Fährticket-Sammlung

Abgesehen von den ersten Passagen auf Seelenverkäufern von Strintzis Line, haben später wir von Anek Lines, Minoan und Superfast auch die allerneuesten Fähren kennenlernen können, die sich bei Kabine und Komfort durchaus mit manchem Kreuzfahrtschiff messen lassen können.

Als der kleine Elliot mit fast 18 Jahren seinen Geist – besser gesagt seinen Motor aufgab, legten wir uns einen gebrauchten Suzuki-Vitara zu – natürlich ebenfalls offen und mit Allrad aber schon um einiges komfortabler als unser Vorgängerfahrzeug.

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1998 mit dem Vitara bis nach Kreta
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1999 mit dem Vitara auf Kreta

Das ideale Fahrzeug für einen längeren Aufenthalt auf Kreta hatten wir dann aber ab 2001 mit unserem ersten Landrover Freelander gefunden.

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2001 mit dem Freelander auf dem Afentis Stavromenos

Das Auto war gross genug, um bequem wie mit einer normalen Limousine zu reisen, war auch im Winter in Deutschland wetterfest und es zog nicht windig kalt durch das Verdeck . Kaum auf Kreta angekommen, klappten wir das Verdeck hoch, nahmen die Glasdächer heraus und genossen den Fahrtwind in den Haaren und die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. – Wenn schon Sommer erleben, dann richtig !

Ein paar Jahre später konnten wir uns dann unseren ersten Neuwagen leisten und auch das wurde ein Freelander.

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2006 Im Hafen von Piräus

Eine kleine Anmerkung für alle SUV-Kritiker:

Unser Freelander ist serienmäßig mit einem gewöhnlichen 2000 ccm BMW-Motor ausgestattet, der auch in jedem normalen BMW Mittelklassefahrzeug eingebaut ist und er verbraucht auch nicht mehr. Und im Gegensatz zu den meisten Geländefahrzeugen in Deutschland, die höchstens mal einen Pferdeanhänger vom schlammigen Reiterhof gezogen haben, hat uns unser Auto auf Kreta schon durch so viele Geländestrecken gebracht, die sonst nur zur Erntezeit von den heimischen Olivenbauern befahren werden.

Nach unserem Umzug von Nordgriechenland nach Kreta hatten wir dort leider keine halbwegs gut bezahlte und tageszeitlich erstrebenswerte Arbeit gefunden, die wir uns vorgestellt hatten. So haben wir in den Wintermonaten in Deutschland immer sehr viel gearbeitet, um uns dann im Sommer eine längere Auszeit nehmen zu können und drei Monate am Stück auf der Insel zu leben.

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2011 – Irgendwann war dann doch kein Weg mehr zu erkennen …
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… heute hatte der Berg gewonnen.

In den Jahren von 2005 bis 2011 war es uns beruflich möglich, im Frühjahr und im Herbst jeweils für sechs Wochen nach Kreta zu fahren und unserem Auswanderer-Feeling zu frönen.

Mittlerweile sind wir aufgrund unserer jetzigen Jobs leider nur in der Lage, eine begrenzte Zahl an Urlaubstagen zu nutzen wie jeder andere Arbeitnehmer auch.

Dadurch mussten wir vom Auto auf den Flieger umsteigen, weil es schneller geht. Allerdings fehlt uns die Anreise mit dem Auto schon sehr –

Einzusteigen und in die weite Welt hinauszufahren, in der Schweiz einen Abstecher auf den Gotthard-Pass in den Schnee zu machen, in Luzern eine Shopping-Pause einzulegen, an den italienischen Autobahnraststätten ungezählte Cappucini geniessen (die sind in Italien überall absolute Spitze) und ein Capri- oder Milanese-Sandwich zu verspeisen – auf der Fahrt von Patras nach Piräus nicht die Autobahn zu nehmen, sondern die Landstrasse durch die Dörfer an der Küste entlang –  aus Spass zwanzig Euro Maut zu bezahlen, nur um mal auf der Rio-Andirriobrücke hin- und herzufahren – in der Bahnhofstaverne von Valimitika neben den Gleisen zu speisen und dem Schrankenwärter beim Herunterkurbeln der Barriere zuzusehen und schon die erste Badepause an einem leeren Strand einzulegen – sich die grosse Lastwagenfahrer-Portionen Moussaka auf der Fähre einzuverleiben und bei der frühen Ankunft in Heraklion den Sonnenaufgang über dem Meer zu sehen – – DAS IST URLAUB !

 

Wir können es nur jedem empfehlen, der genügend Zeit und Geld hat.

Wenn wir jetzt mit dem Flugzeug anreisen, nehmen wir uns am Flughafen einen Leihwagen – einen Suzuki Jimny, der uns fast an unsere kleine Rappelkiste von Beginn unserer Reisen erinnert. Auch dieses Auto hat Allrad, ein Cabrioverdeck und nur wenige PS.

Allerdings werden die offenen Suzukis mittlerweile nicht mehr produziert. Der Hersteller Santana, der diese offenen Jimnys gebaut hatte ist pleite und es gibt mittlerweile keine Neufahrzeuge mehr zu kaufen. Einige Autoverleiher haben dieses Modell schon aus dem Angebot genommen, weil sie immer nur die neuesten Modelle verleihen können.

Der Trend der siebziger und achtziger Jahre, mit kleinen bunten und offenen Autos Sommer, Strand und Spass erleben zu können ist wohl endgültig vorbei und die Erinnerungen daran verblassen. Der eine oder andere Ältere von Euch mag sich vielleicht noch erinnern.

Also behalten wir unseren offenen Freelander, denn der wird auch nicht mehr gebaut – dann können wir das Sommer-Sonne-Fun-Feeling immer noch mal aufleben lassen, wenn wir es mal wieder schaffen, mit dem Auto nach Griechenland zu verreisen.

4 Kommentare zu „Mit dem Auto nach Kreta

Gib deinen ab

  1. Hi Peko,
    bin neu hier und gerade dabei meine Reiseerzählung Kreta 2016 zu veröffentlichen. Brauche allerdings noch ein wenig, um mit der Technik klarzukommen…
    Deinen Blog finde ich sehr interessant und werde bestimmt öfter vorbeischauen!
    Ta léme
    Belgofritz

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Belgofritz – ja das mit der Technik braucht schon eine Zeit Einarbeitung. Ich hatte zuvor einen blog bei Blogspot, aber dort waren ie Möglichkeiten sehr begrenzt. Für WordPress musste ich auch erst ein paar Tage dazulernen.. Geb Bescheid, wenn Du was veröffentlicht hast. Interessiert mich sehr !

      Gefällt 1 Person

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